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Procari Lexikon Touchless Order Rate
Einkaufslexikon

Touchless Order Rate

Touchless Order Rate

Die Touchless Order Rate (deutsch: berührungslose Bestellquote) misst den Anteil der Bestellungen, die vom Bedarf bis zum Versand an den Lieferanten ohne manuellen Eingriff abgewickelt werden. Eine Bestellung gilt als touchless, wenn sie aus einem Katalog oder einer Bedarfsanforderung automatisch in eine Bestellung umgewandelt, über den Genehmigungsworkflow geleitet und elektronisch (per OCI, EDI, Punch-Out oder API) übertragen wird, ohne dass ein Einkäufer Felder pflegen oder Freigaben manuell anstoßen muss. The Hackett Group, Ardent Partners und der BME erheben den Wert als zentralen P2P-Reifegrad-Indikator.

Detaillierte Erklärung

In reifen Einkaufsorganisationen liegt die Touchless Order Rate üblicherweise zwischen 60 und 80 Prozent. Coupa weist in seinem Business Spend Management Benchmark Report den Top-Performer-Wert für elektronische Bestellübertragung mit 99,2 Prozent aus, also nahezu vollständig automatisiert. Hackett-Studien zeigen, dass Digital World Class Procurement Organisationen 21 Prozent niedrigere Prozesskosten erzielen, was zu einem großen Teil über hohe Touchless-Quoten getragen wird. In der DACH-Industrie, wo viele Mittelständler erst seit Mitte der 2010er Jahre flächig auf eProcurement umgestellt haben, liegen typische Werte heute zwischen 30 und 55 Prozent, mit klar steigender Tendenz seit Inkrafttreten der XRechnungs-Pflicht und der EU-Richtlinie 2014/55/EU. Treiber der Quote sind Katalogabdeckung, Schnittstellen wie OCI 5.0 oder cXML, ein sauberer Genehmigungsworkflow und die Vertragsabdeckung. Wer 80 Prozent seines indirekten Spends über Kataloge und Rahmenverträge abwickelt, erreicht üblicherweise auch eine Touchless-Quote in dieser Größenordnung.

Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)

Ein Hersteller von Mess- und Regeltechnik aus Bayern mit 410 Mitarbeitern und 76 Mio. Euro Addressable Spend startet im November 2025 ein Touchless-Programm. Ausgangswert: 28 Prozent Touchless Orders, gemessen über 18.400 Bestellungen im Vorjahr. Maßnahmen in 12 Monaten: 14 Lieferanten an OCI 5.0 angebunden (Coverage 62 Prozent des indirekten Spends), Rahmenverträge mit automatischer Preispflege bei 9 Top-Lieferanten, ein dreistufiger Genehmigungsworkflow mit Wertgrenzen 500 / 5.000 / 25.000 Euro. Ergebnis im Oktober 2026: 67 Prozent Touchless Orders, Cost-to-Serve je Bestellung sank von 112 Euro auf 41 Euro. Bei 18.900 Bestellungen pro Jahr entspricht das einer Prozesskostenersparnis von rund 1,34 Mio. Euro, abzüglich 240.000 Euro Schnittstellen- und Katalog-Setup-Kosten ein Netto-Effekt von 1,1 Mio. Euro im ersten Vollbetriebsjahr.

Typische Fehler & Verhandlungskontext

Drei Fehler dominieren. Erstens wird die Quote ohne saubere Definition gemessen: Wenn eine Bestellung mit einem manuellen Lieferanten-E-Mail-Versand endet, ist sie nicht touchless, auch wenn der ERP-Anteil automatisiert lief. Zweitens werden direkter und indirekter Spend zusammengerechnet, obwohl die Voraussetzungen sich stark unterscheiden — direkte Bestellungen mit Spezifikationsprüfung erreichen selten über 60 Prozent Touchless. Drittens fehlt die Verknüpfung mit Lieferantenanbindungs-Programmen: Wer Touchless-Quote als KPI vorgibt, ohne in OCI-, EDI- oder Punch-Out-Schnittstellen zu investieren, erzeugt nur frustrierte Einkäufer. Empfehlung: quartalsweise Messung im P2P-Cockpit, getrennt nach direktem und indirektem Spend, und ein 24-Monats-Plan mit klaren Zielwerten je Lieferantensegment (A-Lieferanten 90 Prozent, B 70 Prozent, C 50 Prozent).

Verwandte Begriffe

Direkter Hebel auf [[cost-to-serve]] und Reifegrad-Indikator in [[procurement-excellence]]. Technische Voraussetzungen sind [[oci-schnittstelle]], [[edi-electronic-data-interchange]] und [[punch-out-katalog]]; im Genehmigungspfad verankert über den [[genehmigungsworkflow-im-einkauf]].

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