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Procari Lexikon TQM (Total Quality Management)
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TQM (Total Quality Management)

TQM (Total Quality Management)

Total Quality Management (TQM) ist ein ganzheitlicher, mitarbeiterzentrierter Managementansatz, der die Qualität von Produkten, Prozessen und Dienstleistungen über alle Funktionsbereiche und Hierarchiestufen kontinuierlich verbessert. Geprägt wurde das Konzept ab 1950 durch W. Edwards Deming in Japan, ergänzt durch Joseph M. Jurans Qualitätstrilogie aus Planung, Lenkung und Verbesserung. Der VDI veröffentlichte 1996 die Richtlinie zu TQM als Zukunftssicherung deutscher Industrieunternehmen.

Detaillierte Erklärung

Den theoretischen Kern bilden Demings 14 Punkte aus dem Werk Out of the Crisis von 1986: konstanter Verbesserungswille, Aufgabe von Massenkontrollen zugunsten von Prozessfähigkeit, Abschaffung von Akkordlöhnen, Durchbrechen von Abteilungsgrenzen, Ausbildung am Arbeitsplatz, Vertreibung von Furcht. Deming postulierte, dass 94 Prozent aller Qualitätsprobleme system-bedingt seien und nur 6 Prozent dem einzelnen Mitarbeiter zuzurechnen wären. Die Juran-Trilogie ergänzt mit drei Managementprozessen: Quality Planning bestimmt Kundenanforderungen und übersetzt sie in Spezifikationen, Quality Control überwacht Prozess-Stabilität durch SPC und Regelkarten, Quality Improvement reduziert chronische Verschwendung durch Pareto-priorisierte Projekte.

Im europäischen Raum institutionalisiert sich TQM über das EFQM-Modell der European Foundation for Quality Management, gegründet 1988 in Brüssel von 14 europäischen Konzernen darunter Bosch, Volkswagen und Philips. Die Version EFQM 2020 strukturiert Excellence in drei Dimensionen mit sieben Kriterien: Ausrichtung (Zweck, Vision, Strategie), Realisierung (Stakeholder, nachhaltigen Wert schaffen, Leistung) und Ergebnisse (Wahrnehmung, strategische und operative Performance). Bewertet wird in 1.000 Punkten über die RADAR-Logik (Results, Approach, Deployment, Assessment, Refinement). Der Ludwig-Erhard-Preis adaptiert das Modell für den deutschen Sprachraum seit 1997.

Die Abgrenzung zu ISO 9001 ist wichtig: ISO 9001 zertifiziert ein dokumentiertes Qualitätsmanagementsystem mit Mindestanforderungen, TQM ist eine Unternehmensphilosophie ohne Zertifizierungspflicht. ISO 9001 ist Voraussetzung, TQM die Reifestufe darüber. In Deutschland dominiert die Zertifizierungs-Logik mit über 47.000 ISO-9001-Zertifikaten Stand 2022, während in den USA und Japan Awards wie der Malcolm Baldrige National Quality Award oder der Deming Prize stärker prägen.

Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)

Ein deutscher Automobilzulieferer mit 1.800 Mitarbeitenden und 320 Millionen Euro Umsatz integriert TQM-Prinzipien 2024 in das strategische Lieferantenmanagement. Vor Einführung lag die ppm-Quote über alle Direktzulieferer bei 1.240 ppm, die Reklamationskosten bei 4,2 Millionen Euro jährlich. Schritt eins: Lieferanten-Audits werden auf das EFQM-RADAR-Schema umgestellt, jeder strategische Lieferant durchläuft ein zweitägiges Vor-Ort-Audit mit Punktbewertung, Zielmarke 500 von 1.000 Punkten. Schritt zwei: Lieferanten unter 400 Punkten erhalten ein 12-monatiges Entwicklungsprogramm mit zwei Workshops zu Demings 14 Punkten und sechs Coaching-Tagen vor Ort, finanziert vom OEM mit 38.000 Euro je Lieferant. Schritt drei: Quartalsweise SPC-Datenübermittlung wird verpflichtend, die Reklamationsabwicklung läuft über 8D-Reports nach VDA 6.3. Nach 18 Monaten sinkt die ppm-Quote auf 410 ppm, die Reklamationskosten auf 1,6 Millionen Euro, ein Return on Quality von 7,2.

Typische Fehler & Verhandlungskontext

Häufigster Fehler ist die Einführung als reines Tool-Kit (5S, Ishikawa, FMEA) ohne Top-Management-Bekenntnis und Strategie-Verankerung — Deming nannte das den toten TQM-Implementierungsversuch. Zweiter Fehler ist die Reduktion auf Endprüfung, also genau das, was Deming mit Punkt 3 seiner 14 Punkte explizit verwirft. Dritter Fehler ist das Auslassen der Zulieferer: TQM endet nicht am Werkstor, sondern muss bis Tier-2 und Tier-3 reichen, was im Lieferantenvertrag durch Qualitätssicherungsvereinbarungen, Erstmusterprüfberichte und kontinuierliche ppm-Reporting-Pflichten verankert wird. Vierter Fehler ist das Missverständnis von Boni: TQM lehnt individuelle Leistungslöhne ab, da sie Bereichsegoismen verstärken und Systemoptimierung verhindern.

Verwandte Begriffe

TQM operationalisiert sich praktisch über [[kvp-kontinuierlicher-verbesserungsprozess]], stützt sich auf [[iso-9001]] als Mindestbasis und nutzt Werkzeuge wie [[ishikawa-diagramm]], [[fmea]] und [[six-sigma]] zur Ursachenanalyse.

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