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Procari Lexikon Zink-Einkauf
Einkaufslexikon

Zink-Einkauf

Zink-Einkauf

Der Zink-Einkauf beschafft Hüttenzink (LME Special High Grade, mindestens 99,995 Prozent Reinheit gemäß EN 1179:2003) sowie Zinkkonzentrat, Zinkstaub und Zinklegierungen, mit Preisbildung an der London Metal Exchange (LME) plus regionale Prämien und Treatment Charges. Über 50 Prozent des Weltverbrauchs entfallen laut International Zinc Association auf die Verzinkung von Stahl als Korrosionsschutz.

Detaillierte Erklärung

Im Einkauf wird Zink nach Reinheit, Lieferkanal und Logistik spezifiziert. Der Weltmarktpreis bildet sich an der LME, wo Zink als drittgrösstes Basismetall nach Aluminium und Kupfer gehandelt wird. Im Jahr 2024 stieg der LME-Cash-Kurs von rund 2.621 USD pro Tonne auf 2.979 USD per Jahresende, ein Plus von etwa 13 Prozent. Anfang 2025 erreichten Futures Spitzen nahe 3.430 USD pro Tonne, getrieben durch Konzentratknappheit und sinkende LME-Lagerbestände, die laut International Lead and Zinc Study Group (ILZSG) von 230.500 Tonnen auf etwa 110.000 Tonnen fielen.

Die mit Abstand grösste Anwendung ist die Verzinkung von Stahl als Korrosionsschutz; weitere Hauptverwendungen sind Messing- und Bronzelegierungen, Druckguss (Zamak-Legierungen), Walzzink für Dachdeckung sowie Zinkoxid für Reifen und Pharmazie. Auf der Anbieterseite konzentriert sich der Markt auf wenige Konzerne: Glencore (Schweiz), Korea Zinc (Südkorea), Boliden (Schweden), Nyrstar (Niederlande) und Hindustan Zinc (Indien) dominieren die Hüttenproduktion.

Einkäufer berücksichtigen neben dem LME-Notierungspreis die regionalen Prämien (Rotterdam, Singapur, US Midwest), Treatment Charges (TC) und Logistikkosten ab Hütte. Die Treatment Charges für Zinkkonzentrate fielen laut Wood Mackenzie von rund 274 USD pro Tonne (2023) auf unter 80 USD (Q1 2025), was integrierte Hütten zu Produktionskürzungen zwang. Die Klassifizierung von Zink als strategischer Rohstoff im EU Critical Raw Materials Act (Verordnung 2024/1252) eröffnet zusätzlich Argumentationsspielraum für längerfristige Lieferzusagen.

Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)

Ein bayerischer Zulieferer für die Automobilindustrie mit 320 Mitarbeitenden benötigt jährlich 480 Tonnen Zink für die Feuerverzinkung von Karosseriekomponenten. Der bisherige Vertrag mit einem regionalen Distributor lief auf Spotpreisbasis (LME plus 320 USD pro Tonne Prämie ab Hamburg), was 2024 zu einem Beschaffungsvolumen von rund 1,57 Millionen EUR führte. Nach einer Marktanalyse wechselte der Einkauf 2025 auf einen Rahmenvertrag mit Boliden über 36 Monate, gestaffelt in monatlichen Abrufen von 40 Tonnen. Der ausgehandelte Zuschlag sank auf LME plus 245 USD pro Tonne bei Bezug ab Werk Odda (Norwegen); zusätzlich wurden 50 Prozent des Volumens über LME-Futures der Position M+3 abgesichert, um die Volatilität zwischen Auftragsbestätigung und Lieferung zu glätten. Die Einsparung gegenüber dem Vorjahresansatz beträgt rund 36.000 EUR plus reduziertes Preisrisiko.

Typische Fehler & Verhandlungskontext

Erster Fehler ist die isolierte Betrachtung des LME-Kurses ohne Berücksichtigung der physischen Prämien, die in 2022 zeitweise um über 60 Prozent stiegen und den effektiven Einstandspreis stark verzerrten. Zweiter Fehler ist das Versäumnis, Treatment Charges nachzuverhandeln: Die TC-Halbierung 2024 bis 2025 zwang integrierte Hütten zu Produktionskürzungen und befeuerte die Spotpreise zusätzlich. Dritter Fehler ist das Nichteinpreisen des Klumpenrisikos bei einer Konzentration auf Glencore und Nyrstar, die wiederholt Hütten in Belgien und den Niederlanden temporär stilllegten. Im Verhandlungskontext sollten Einkäufer auf Indexbindung statt Festpreisen drängen (Monatsdurchschnitt LME Cash Settlement), Force-Majeure-Klauseln präzise auf Energiepreissprünge und CO2-Zertifikate (EU-ETS) eingrenzen sowie Alternativlieferanten ausserhalb der EU prüfen.

Verwandte Begriffe

[[verzinken-galvanik]] ist der grösste Verarbeitungspfad. [[nickel-einkauf]] und [[aluminium-einkauf]] sind die Nachbarmetalle an der LME. [[stahl-einkauf]] und [[commodity-hedging]] decken die Anwendungs- und Absicherungsseite, [[indexkopplung-rohstoffe]] und [[preisgleitklausel]] die Vertragsmechanik.

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