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Procari Lexikon CDP-Score Methodik
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CDP-Score Methodik

CDP-Score Methodik

CDP (ehemals Carbon Disclosure Project) ist eine 2000 in London gegründete Non-Profit-Organisation, die jährlich Umweltdaten von Unternehmen, Städten und Regionen zu den Themen Klimawandel, Wasser und Wälder erhebt. Im Bewertungsjahr 2024 wurden mehr als 22.700 Unternehmen bewertet, davon erreichten lediglich 515 (rund 2 Prozent) ein A-Rating, davon 462 im Themenbereich Klimawandel, 133 in Wassersicherheit und 26 in Wäldern. Die Bewertungsskala reicht von A (Leadership) über A-, B, B-, C, C-, D bis D- (Disclosure mit minimaler Transparenz) und F (Failure to Disclose).

Detaillierte Erklärung

Die CDP-Methodik strukturiert Bewertungen in vier aufeinander aufbauende Stufen. Disclosure prüft die Vollständigkeit und Konsistenz der gemeldeten Daten. Awareness bewertet, ob das Unternehmen seine eigenen Umweltrisiken und Auswirkungen erkennt. Management bewertet die etablierten Prozesse und Maßnahmen zur Bewältigung dieser Risiken. Leadership prüft die Umsetzung von Best-Practice-Aktivitäten wie wissenschaftsbasierte Reduktionsziele, externe Verifizierung und Engagement in der Wertschöpfungskette. Eine Stufe wird nur erreicht, wenn die darunterliegenden Stufen mit definierten Mindestschwellen bestanden sind. 2024 hat CDP zusätzliche Essential Criteria eingeführt, die für die Stufen Awareness, Management und Leadership zwingend erfüllt sein müssen, damit ein Unternehmen die jeweilige Stufe überhaupt erreichen kann.

Der Fragebogen ist sektor-spezifisch und umfasst je nach Branche zwischen 90 und 130 Fragen, die per Online-Plattform Open Disclosure System ODS bis Ende Juli des Erhebungsjahres beantwortet werden müssen. Sektor-spezifische Module gibt es für 16 emissionsintensive Branchen, darunter Stahl, Chemie, Zement, Transport und Energie. Die Bewertung erfolgt durch akkreditierte Scoring Partner nach veröffentlichten Scoring Methodologies, die für 2024 in den Dokumenten Climate Change Scoring Essential Criteria 2024 und Full Corporate Scoring Introduction 2024 dokumentiert sind. Investoren und Beschaffungsorganisationen mit zusammen mehr als 142 Bio. US-Dollar verwaltetem Vermögen nutzen die CDP-Datenbank für ihre eigenen Risikobewertungen. Im Beschaffungskontext relevant ist das CDP Supply Chain Programm, in dem Großunternehmen ihre Lieferanten zur Offenlegung auffordern.

Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)

Ein DACH-Zulieferer von Elektronikkomponenten mit 540 Mitarbeitern und 92 Mio. Euro Umsatz erhält im März die Aufforderung von drei Großkunden, am CDP Climate Change Programm 2025 teilzunehmen. Die Teilnahmegebühr beträgt für ein mittelständisches Unternehmen 1.625 Euro. Die Verantwortliche für Nachhaltigkeit benötigt 280 Personenstunden, um den 116-Fragen-Standardfragebogen zu beantworten, davon entfallen rund 90 Stunden auf die Sammlung von Scope-1- und Scope-2-Emissionsdaten der drei Werke und 110 Stunden auf die Scope-3-Erhebung in den Kategorien 1, 4 und 11. Im Erstjahr erreicht das Unternehmen Score B, weil zwar Scope 1 und 2 vollständig berichtet sind, aber nur 38 Prozent der Scope-3-Emissionen quantifiziert sind und keine SBTi-validierten Reduktionsziele vorliegen. Im Folgejahr setzt das Unternehmen ein SBTi-Ziel, lässt Scope 1 und 2 nach ISO 14064-3 verifizieren und steigt auf A-. Zwei der drei anfragenden Kunden honorieren die Verbesserung mit Punkteverbesserungen in ihren eigenen Lieferantenscorecards.

Typische Fehler & Verhandlungskontext

Der erste Fehler ist die Unterschätzung der Daten-Anforderungen. CDP fordert konsistente Zeitreihen über mehrere Jahre, eine fehlerhafte Erstmeldung pflanzt sich über die Folgejahre fort, weil Inkonsistenzen die Awareness-Stufe blockieren. Wer das erste Mal teilnimmt, sollte zwei Geschäftsjahre vorher mit der Datensammlung beginnen. Der zweite Fehler ist die Verwechslung von Disclosure und Performance. Ein A-Rating bedeutet Best-Practice-Transparenz, nicht zwingend niedrige Emissionen. Ein Stahlhersteller mit hohen absoluten Emissionen kann ein A erreichen, wenn er vollständig berichtet, ehrgeizige SBTi-Ziele setzt und in der Wertschöpfungskette aktiv ist. Der dritte Fehler ist die isolierte Behandlung der drei Themen. Ein Unternehmen kann in Climate ein A-, in Water aber nur ein C haben, weil die Wassermethodik andere Hot Spots betrachtet. Wer in Verhandlungen mit Großkunden eine CDP-Anforderung akzeptiert, sollte präzise klären, welche Themen, welche Mindeststufe und welche Konsequenzen bei Nichterreichen vereinbart sind. Eine sinnvolle Klausel sieht eine Heilungsfrist von 24 Monaten und die explizite Möglichkeit vor, die geforderte Stufe schrittweise (Disclosure 2025, Management 2027, Leadership 2029) zu erreichen.

Verwandte Begriffe

Sustainable Procurement Index, CDP Carbon Disclosure Project, EcoVadis-Score Detail, Science Based Targets, Scope-3-Emissionen, GHG Protocol, ESG-Reporting Lieferanten, CSRD, CO2-Reduktionsziel Lieferkette

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